Mit Zuversicht und Perspektive in den Sommer
- Geschrieben von Bürgerschützenverein
Der Vorstand der Sassenberger Bürgerschützen verschließt nicht die Augen vor der aktuellen Pandemie Lage. Aber im Gegensatz zu vielen Schwarzmalern und –sehern, erkennen sie Licht am Ende des Tunnels. Wo manche schon felsenfest überzeugt sind, dass alle Feste für das ganze Jahr verboten sind, sagt der Vorstand: „Falsch, es ist für den Sommer noch gar nichts verboten.“ Wo manche sagen, das wäre doch Wahnsinn und viel zu gefährlich, sagt der Vorstand: „Richtig, aber wir wollen selbstverständlich auch nur feiern, wenn es wirklich sicher ist.“ Und es gibt viele Aspekte, die ein Schützenfest doch noch möglich machen könnten.
Präsident Franz-Josef Ostlining geht optimistisch an die Sache: „Wenn das Impfen endlich wie versprochen ab April Fahrt aufnimmt, wird im Sommer oder Spätsommer ein Großteil der Bevölkerung geimpft sein. Wenn zum „impfen, impfen, impfen“ auch noch ein „testen, testen, testen“ kommt, wird sich die Situation noch mal entspannen. Wir sollten nicht vor der aktuell bedrohlichen Situation kapitulieren, sondern unseren Blick nach vorne richten.“
Natürlich sind er und seine Vorstandskollegen keine blauäugigen Träumer. „Ein Schützenfest - so wie wir es kennen und lieben - wird es auch dieses Jahr am traditionell 2. Wochenende im Juli leider nicht geben. Aber wir können hier versprechen: Wir machen möglich, was möglich und verantwortbar ist.“ Zusätzlich zum Impfen und Testen setzt der Bürgerschützenverein als dritte Säule auf die Digitalisierung. „Vielleicht verhilft uns „Luca“ ja zu noch einem Stück mehr Sicherheit und Normalität.“ Aber wie soll die konkret aussehen? Die Antwort fällt auf den ersten Blick ernüchternd aus: „Wir wissen es nicht.“ Es ist einfach noch zu früh, jetzt schon konkret zu planen. Der Vorstand will erst mal noch sechs bis acht Wochen die Füße stillhalten und die Situation beobachten. Dabei ist klar, je länger man wartet, desto größer ist dann der Zeitdruck etwas „Gescheites“ zu organisieren. Vielleicht wird es ein kleines Fest oder viele kleine Feste. Vielleicht ein Fest ohne Festzelt, aber mit einem prächtigen Umzug. Egal, was es wird, die Meinung im Vorstand ist klar: Jetzt zu träumen und Pläne zu schmieden, ist allemal besser als jetzt schon den Kopf in den Sand zustecken. Und ein Motto für 2021 gibt es auch schon: Alles ist besser als nichts!
Die eigentlich in diesen Tagen stattfindende Generalversammlung kann aus bekannten Gründen derzeit nicht stattfinden. Die Zusammenkunft der Mitglieder wird nachgeholt, sobald dies Corona gemäß und unter halbwegs normalen Umständen möglich ist. Dies könnte auf der zweiten jährlichen Generalversammlung im Juli oder auch zu einem späteren Zeitpunkt im Laufe des Jahres sein, bei dieser Gelegenheit würden dann auch die satzungsgemäßen Wahlen zum Vorstand erfolgen.
Die Preisträger des Winter-Gewinnspiels wurden mittlerweile ermittelt und werden in den nächsten Tagen bekannt gegeben.
Wie bereits in der Mitgliederinformation im Dezember letzten Jahres angekündigt, ist der Bürgerschützenverein Sassenberg für die Deckung der allgemeinen laufenden Kosten auf den Mitgliedsbeitrag auch in diesem Jahr dringend angewiesen und bittet um Verständnis, dass der Beitragseinzug in diesen Tagen planmäßig erfolgt.
2021 kann nur besonders werden
- Geschrieben von WN vom 11.07.2020
Sassenberg - Paul Rössmann (96) und Heinrich Krampe sind seit 70 Jahren Mitglied im Bürgerschützenverein. Und das ist – Corona hin oder her – natürlich eine Ehrung wert, die Pressesprecher Frank Deitert übernimmt. Für diese haben sich die beiden Jubilare in Schale geschmissen: schwarzes Sakko, weißes Hemd, grüne Krawatte, und der Schützenhut darf auch nicht fehlen.
Wer zurzeit durch Sassenberg fährt, der sieht sie überall: Die grün-weißen Fahnen flattern in der guten Stube der Stadt an den Häusern. Sie künden davon, dass jetzt eigentlich Schützenfest-Zeit wäre. Auf diese liebgewonnene Tradition muss der Bürgerschützenverein wegen der Corona-Pandemie verzichten - zum ersten Mal seit 1949.
Verglichen mit dem, was zwei der ältesten Mitglieder des Vereins schon erlebt haben, ist die aktuelle Situation aber nicht viel mehr als ein Ärgernis. Da ist sich die kleine Gruppe, die am Donnerstag ins Café Arenhövel gekommen ist, komplett einig.
Der Anlass: Paul Rössmann (96) und Heinrich Krampe sind seit 70 Jahren Mitglied im Bürgerschützenverein. Und das ist - Corona hin oder her - natürlich eine Ehrung wert, die Pressesprecher Frank Deitert übernimmt. Für diese haben sich die beiden Jubilare in Schale geschmissen: schwarzes Sakko, weißes Hemd, grüne Krawatte, und der Schützenhut darf auch nicht fehlen.
Die Stimmung bei diesem Treffen unter sehr besonderen Umständen ist dann auch nicht viel anders, als wenn das Wiedersehen beim Schützenfest stattgefunden hätte. „Guck, hallo Paul!“, sagt Heinrich Krampe zur Begrüßung und flachst gleich ein bisschen: „Ach, du hast ja die Orden mitgebracht. Meine sind zu Hause. Ich hab‘ aber auch gar nicht so viele wie du.“ Paul Rössmann beweist ähnlich viel Humor: „Da musste ich 96 Jahre alt werden, bis das Schützenfest mal wieder ausfällt. . .“
Dass das schon mal vorgekommen ist, daran können sich die jüngeren, und selbst die nicht mehr ganz so jungen Generationen nicht mehr erinnern. Die beiden aber schon. Schließlich haben sie auch noch die schlimmen Zeiten des Zweiten Weltkriegs hautnah miterlebt. Der verhinderte von 1939 bis in die ersten Nachkriegsjahre, nämlich bis 1949, dass die damals schon jahrzehntealte Tradition fortgesetzt wurde.
Für Heinrich Krampe war das erste Schützenfest, an das er sich noch gut erinnern kann, gleichzeitig das vorerst letzte. Denn als Zehnjähriger lief er schon 1939 mit. Damals feierte der Bürgerschützenverein sein 100-jähriges Bestehen.
Danach war erst mal Schluss. Rössmann musste als Soldat dienen, geriet später in Kriegsgefangenschaft und kehrte erst im September 1949 aus Sibirien zurück. Zum Winterschützenfest in der Adventszeit trat er bereits in den Verein ein. Krampe erlebte die letzten Jahre des Krieges zwar nicht in Russland, musste kurz vor der endgültigen Niederlage aber noch zum „schanzen“ – dem letzten, sinnlosen Aufgebot Nazideutschlands, bei dem die Jugend zur Verteidigung herangezogen wurde. „Brandgefährlich und der größte Blödsinn überhaupt“, sagt er heute.
Die Erinnerungen an diese Zeit waren noch frisch, als 1949 die Bundesrepublik gegründet wurde, langsam wieder etwas Normalität in das Leben der Menschen einkehrte und auch in Sassenberg wieder an ein Schützenfest gedacht werden konnte. Schusswaffen waren 1949 aber noch verboten, weshalb der erste König nach dem Krieg mit einer Armbrust ausgemacht wurde.
Ansonsten, finden beide Jubilare, habe sich das Schützenfest in all den Jahren gar nicht so sehr verändert, wie man es annehmen könnte. Nur das Wetter, ob des guten Termins Mitte Juli meistens gnädig mit den Bürgerschützen, hat dann doch nicht in allen 70 Jahren mitgespielt. Heinrich Krampe erinnert sich beispielsweise an 1954: „Da hat es während des Umzugs so fürchterlich geschüttet, dass mehrere hundert Leute in eine Scheune geflüchtet sind. Und später mussten die Frauen mit ihren Stöckelschuhen durch die Mudke – das war schlimm“, sagt er und lacht.
So richtig schlimm war es – verglichen mit dem, was er und Rössmann vorher erlebt hatten – aber eben doch nicht. Einen kleinen Trost hat Krampe deshalb auch für alle, die in diesem Jahr dem ausgefallenen Fest hinterhertrauern. Denn 1949 war für ihn ja nach langer Zwangspause das erste. „Und wenn ich zurückdenke, dann war es auch das allerschönste. Es hat vorher zehn Jahre keines gegeben. Deshalb waren die Leute ganz verrückt drauf.“ So gesehen kann es 2021 eigentlich nur ganz besonders gut werden.