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Auszeichnung für 70 Jahre Mitgliedschaft

Kein einziges Mal sei er in seiner aktiven Zeit zu Fuß im Schützenzug unterwegs gewesen, erzählt Ernst Rath und lüftet auch gleich das Geheimnis dahinter. Rath ist einer von sechs Schützenbrüdern, die in diesem Jahr für 70 Jahre Mitgliedschaft im Verein ausgezeichnet wurden. Ihr Fazit zum Thema Schützenfest: Jedes war das schönste und das fing schon bei der Vorfreude an. 70 jahre mitgliedschaft

Heinz Oetter erinnert sich noch genau: Während seiner ersten Schützenfeste im Brook trug er noch eine Tasse um den Hals gehängt, aus der es leckeren Erdbeersaft zu trinken gab. Das ist lange her, war vor dem Krieg. Damals gab es zwar schon Kinderbelustigung ganz in der Nähe der Vogelstange, die Kleinen durften aber anders als heute noch keine Vereinsmitglieder werden. Es galt eine Altersgrenze von 18 Jahren.

Eingetreten in den Bürgerschützenverein ist Oetter, Jahrgang 1933, ebenso wie Helmut Franke, Ernst Rath und Bernhard Strotmann im Jahr 1952. Der amtierende Schützenkönig Thomas Stratmann zeichnete die vier Schützenbrüder sowie August Glanemann und Heinz Fischer in Abwesenheit deshalb am Donnerstag mit einem Ehrenzeichen für siebzig Jahre Vereinsmitgliedschaft aus.

Die heute typischen weißen Hosen und schwarzen Jacken gab es bei den ersten Schützenfesten, die sie als Schützenbrüder erlebten, noch nicht, erinnern sich die Herren beim gemütlichen Kaffeetrinken im Café Arenhövel. Schützenhut und Anzug - oft ein fescher, heller - waren als Bekleidung angesagt. An das Schicksal seines - da schon dunklen - Schützenrockes in einem besonders heißen Sommer, erinnert sich Ernst Rath heute mit Belustigung: Er hatte das gute Stück ausgezogen und dann war es plötzlich weg. Erst nach Ende des Schützenfestes fand es sich beim Aufräumen wieder an.

„Die Jungs hatten daraus einen Ball gemacht und damit vor dem Eingang Fußball gespielt“, erzählt der langjährige Oberst und spätere General. „Aber damals war das so gute Qualität, das hat dem Rock nichts ausgemacht."


Der General hoch zu Ross

Apropos General: Dieser Titel wurde eigens für Ernst Rath „erfunden“, berichtet Martin Arenhövel: „Nachdem er jahrelang Oberst war, musste noch eine Beförderung her.“ Rath, der nach eigenem Bekunden nie zu Fuß im Festumzug mitgegangen ist, sondern schon als junger Schützenbruder stets hoch zu Ross, wollte Anfang der 90er Jahre langsam als kommandierender Oberst abtreten. 1993 wurde er dann zum General befördert. „Da habe ich das dann noch drei Jahre gemacht“, sagt Rath amüsiert, der unter Hans Sundermann auch Vizepräsident des Vereins war.

Welches Fest in all den Jahren das schönste war, darauf will sich keiner der Schützenbrüder festlegen. „Jedes Fest war gleich schön“, betont Rath entschlossen. Und das begann schon mit der Vorfreude. So wie in diesem Jahr.

Der Countdown läuft: Zwei Wochen vor dem Sassenberger Schützenfest haben die Schützen sich zur Marschprobe und zum Aufräumen getroffen.

grosse marschprobe

Die Uhr für den Schützenfest-Countdown zählt unweigerlich runter. Nicht einmal 14 Tage sind es, bis das Sassenberger Schützenfest am Samstagabend um 18 Uhr traditionell mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Johannes Evangelist beginnt. Dafür soll alles perfekt sein, die Vorbereitungen laufen.

Am Freitag der Marsch, am Samstag das Aufräumen

Traditionell fand am Freitagabend die Marschprobe statt, an der Ehrengarde und Offiziere sowie die drei Musikzüge Spielmannszug Sassenberg, Fanfarenzug Sassenberger Landsknechte und Gebrasa-Blasorchester teilnahmen, wobei Letzteres nur mit kleiner Personenzahl erscheinen konnte. Der Weg führte – bereits halbwegs im Gleichschritt – vom Schützenplatz Richtung Langefort und – in saubererem Gleichschritt – von dort zurück zum Schützenplatz.

Einzig die etwas nervösen Pferde übertrugen ihre Unruhe in die Gruppen, in denen von mehreren Anwesenden darüber diskutiert wurde, ob nicht auch Sassenberg mit benachbarten Vereinen gleichziehen und auf berittene Pferde im Zug verzichten solle. Im Anschluss probte der Spielmannszug den Zapfenstreich.

platzreinigen

Am Samstag wurde der Schützenplatz auf Vordermann gebracht. Wer die Aktion in den Vorjahren – vor der Pandemie – verfolgt hatte, konnte erfreut feststellen, dass die Resonanz bei diesem Arbeitseinsatz noch größer war als zuvor. Nicht etwa wegen eines maroderen Platzes – der war auch in den schützenfestfreien Zeiten in Schuss gehalten worden –, sondern vermutlich wegen der sich anbahnenden Vorfreude, endlich wieder ein Schützenfest in Sassenberg feiern zu können, wie sie es „kennen, schätzen und lieben“, um die vielfach gebrauchten Worte des Präsidenten Franz-Josef Ostlinning zu zitieren.

Entsprechend packten alle mit an, wobei auch schweres Gerät zum Einsatz kam. Sie säuberten die Wiese, schnitten loses Astwerk aus den Bäumen, räumten Müll weg, fegten, scheuerten und putzten, bis der Platz so einladend aussah, wie er sich immer wieder zum Schützenfest präsentiert.