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Familie fiebert dem Fest entgegen

 
     Eine Familie lebt für den Schützenverein (v. l.): Paul, Hendrik, Sven, Fabian und Josef Lackamp fiebern dem Jubiläumsschützenfest entgegen.      Foto: Oertker
 

Schützengene bei Lackamp weitervererbt

Sassenberg - Das in 34 Tagen anstehende Schützenfest zum 175-jährigen Jubiläum des Sassenberger Schützenvereins wird von zahlreichen Schützenfestfreunden heiß ersehnt, doch ganz besonders fiebert die Familie ­Lackamp mit den Brüdern Paul und Josef den Festtagen entgegen.

Wie sehr das Motto „Wir sind Schützenfest“ auf die Familie zutrifft, bewies ein gemeinsames Treffen zum Erinnerungsaustausch.

„Die ganze Familie ist im Schützenfestfieber, das liegt bei uns in den Genen“, verraten die Brüder Paul und Josef Lackamp, denn schließlich war schon Urgroßvater Florenz Stumpe Vereinsmitglied und im Jahre 1888 der erste König der Familie. Auch Großvater Josef ­Lackamp war ein Freund des Sassenberger Schützenfestes und von 1900 bis 1938 Zugführer. Vater Paul Lackamp, der 1932 die Königswürde errang, war aktives Vereinsmitglied und prägend für die Söhne Paul und Josef. „Unser Vater war Anstreicher und hat viele Jahre die Zepter für die letzten sechs Könige mit Goldbronze angestrichen“, erinnern sich beide gerne zurück.

Schon Wochen vor dem Schützenfest wurden in der Familie Lackamp die nötigen Vorbereitungen getroffen. „Die weißen Hosen lagen schon vier Wochen vorher gebügelt bereit.“ Und auch der alljährliche Weckruf durch den Spielmannszug ist noch in bester Erinnerung. „So lange wir denken können, sind wir jeden Morgen am Schützenfestmontag von dem Spielmannszug geweckt worden und standen am Fenster, als unser Vater die Flasche Schnaps mit einem Faden herunterließ.“ So war es nur selbstverständlich, dass auch Paul und Josef mit 18 Jahren in die Ehrengarde eintraten, um aktiv im Vereinsleben mitzuwirken. Neben der Vorstandszeit, die Paul Lackamp von 1977 bis 1995 viel Spaß gemacht hat, ist auch gerade das Vereinsleben in der Ehrengarde bei beiden Brüdern noch präsent. So zählten die wiederholten Besuche bei dem Schützenverein „Pluggendorfer Jäger“ in Münster, mit dem eine langjährige Freundschaft gepflegt wird, zu den Highlights. Eine ganz besondere Anekdote haben die Brüder mit einem breiten Grinsen sofort parat. „1967, als August Hülsmann Schützenkönig wurde, haben wir den König natürlich Dienstagsmorgen zu Fuß Zum Hilgenbrink nach Hause gebracht. Einer unserer Ehrengardisten fiel beim pinkeln kopfüber nach vorne in einen Bach und als er sich aufraffte, hatte er eine Ente in der Hand.“

„Zwei Brüder waren die größten Konkurrenten. Spannende Minuten in Sassenberg: Josef und Paul ­Lackamp wollten den Vogel herunterholen“, hieß die Schlagzeile im Jahre 1982. Schützenkönig wurde Paul, der bereits ab 1975 immer wieder den Vogel von der Stange holen wollte. „Natürlich war ich neidisch auf meinen Bruder, ich wäre auch gerne König geworden, doch trotzdem habe ich mich sehr für ihn gefreut“, berichtet Josef Lackamp, der nur einen Schuss hinter Paul stand und im nächsten Jahr bereits 50 Jahre im Schützenverein ist. „Unsere Tochter Kerstin war damals erst sechs Jahre alt und hatte schon am Morgen gesagt „Papa heute wirst du König.“ Am nächsten Tag hat sie beschlossen, in den Spielmannszug einzutreten, um beim Sassenberger Schützenfest mitzuwirken“, verrät Paul Lackamp, der das Schützenfestgen offensichtlich auch weitervererbt hat. Sohn Hendrik ist Vorsitzender in der Bogengemeinschaft „Klingenhagen“ und Sohn Sven Ehrengardist und Vorstandsmitglied im Schützenverein. Ebenfalls sind beide Söhne Jahre vorher als Pagen im Festumzug mitgelaufen und haben im Gebrasa Blasorchester mitgespielt. Auch Fabian Lackamp, Sohn von Josef, ist aktiv im Verein und Mitbegründer der Jungschützen. „Bei uns dreht sich vieles um das Schützenfest“, betont Paul Lackamp, der am Freitag seinen 65. Geburtstag feierte. Wie sehr, beweist eine letzte Anekdote von ihm. „1989, zum 150-jährigen Jubiläum, habe ich das Fest und den Sternmarsch mitorganisiert. Es war geplant, dass alle Schützen auf dem Mühlenplatz zusammenlaufen. Einige Tage vorher kamen Zweifel auf, ob auch alle Formationen auf den Mühlenplatz passen. Ich bin mitten in der Nacht aufgestanden um den Mühlplatz auszumessen – zum Glück hat sich herausgestellt, dass genug Platz für alle Teilnehmer ist“, berichtet der Schützenfestfan breit grinsend.

Einen Jubiläums-Schützenkönig aus den eigenen Reihen würden alle Familienmitglieder gerne sehen. „Sven ist ein heißer Anwärter auf den diesjährigen Königstitel“, sind sich die Brüder einig. Bis zum Fest steht noch ein wichtiger Termin auf dem Kalender. Gemeinsam mit den Bogengemeinschaften Schürenstraße, Klingenhagen und Brachvogelweg werden sie ihre Straßen „Grün-Weiß“ schmücken. „Unsere Straße Brachvogelweg besteht zu 100 Prozent aus Schützenvereinsmitgliedern, verrät Paul Lackamp zum Abschied, denn auch dort hat er es geschafft, die letzten Nichtschützen mit seinem Fieber anzustecken.

Quelle:  WN vom 07.06.2014  / Text & Foto:  Theresa Oertker