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Helmut Vinke stellt den Schützenvogel her - Vogel ist astrein

Mit der Fräse arbeitet Helmut Vinke die runden Formen in den Rumpf des Vogels. Foto: Lieber                                                                                                        

Gut zehn Tage vor dem großen Schützenfest nimmt eine Hauptfigur Formen an. Die Rede ist vom neuen Holzvogel, der am 15. Juli in den Kugelhagel gestellt wird. Tischler Helmut Vinke baut nach uralter Sitte das hölzerne Federvieh und gibt einen Einblick in die Geheimnisse.

Von Ulrich Lieber
 

Geschickt und routiniert fräst Helmut Vinke runde Formen in das Holz. Nach und nach wird erkennbar, was daraus entstehen soll. Es ist der Korpus des neuen Vogels für das Königsschießen am 15. Juli. „Ich nehme Weichholz, und das muss astrein sein“, erklärt der Tischler, der in der Zimmerei Lückemeyer arbeitet. Hier entsteht auch der begehrte Vogel, der entscheidet, welcher König die Schützen ins Jubiläumsjahr führt. Astrein muss das Holz sein, damit es keine Querschläger gibt, außerdem achtet Vinke darauf, wie die Jahresringe liegen, damit das Holz nicht zu schnell wegplatzt.

Der Korpus besteht aus einem festen Stück aus Tannen- oder Fichtenholz. „Hals, Hinterteil und Rumpf werden rund angefahren“, erklärt der Tischler. Gemeint ist damit, dass es entsprechend der Form gefräst wird. Dass es mal länger und mal weniger lange am Schießstand dauert liegt laut Helmut Vinke auf keinen Fall am Vogelbauer, denn „eigentlich wird der Vogel jedes Jahr gleich hergestellt“. Seit 2005 baut der Tischler das etwa drei Kilogramm schwere Federvieh fürs Schützenfest, und das immer nach dem gleichen Muster. Vorher hatte ihn Felix Kunstleve hergestellt. „Ich kenne den Vogel nicht anders als so, und ich bin seit 27 Jahren im Verein“, sagt Helmut Vinke.

Nachdem der Rumpf gefräst ist, geht es an die Feinarbeiten. Der Kopf, der fest mit dem Rumpf verbunden ist, wird „verjüngt“, damit er als solcher auch erkennbar wird. Anders sieht es mit den Flügeln und Beinen sowie den Insignien aus. Auch hier gibt es Schablonen, die schon immer genutzt wurden. Helmut Vinke malt die Flügel auf ein Stück Holz auf, um sie dann herauszuarbeiten und schließlich am Rumpf zu befestigen. Dafür wird der Rumpf an den entsprechenden Stellen angebohrt, dann werden die Flügel fest mit dem Rumpf verleimt. Ähnlich ist das mit den Füßen des Holzadlers.

Die Insignien Zepter, Apfel und Krone werden allerdings nicht von Helmut Vinke hergestellt, die produziert Bernie Röttger und liefert sie dann an. Wenn alles fertig ist, wird der stolze Vogel nach farblich auf Vordermann gebracht, bevor er beim Umzug zur Vogelstange gebracht wird. Die ganze schöne Arbeit wird dann von den Schützen einfach zerschossen, so dass im nächsten Jahr ein neuer Vogel gebaut werden muss.